Aachener Polizei klärt Fünftklässler über Cybermobbing auf

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Aachener Polizei klärt Fünftklässler über Cybermobbing auf

Das Internet ist schon lange kein Medium mehr, das ausschließlich von Erwachsenen verwendet wird. Praktisch alle Kinder im Alter von zehn Jahren besitzen heutzutage beispielsweise bereits ein Smartphone und sind somit ständig online – die wenigen Ausnahmen bestätigen die Regel. Umso wichtiger ist es eingedenk dieser Tatsache, möglichst früh mit pädagogischen Präventionsmaßnahmen einzusteigen. Das gilt natürlich primär für die Elternhäuser, selbstverständlich aber auch für die weiterführenden Schulen.

Zwecks Aufklärung der Schülerinnen und Schüler des fünften Jahrgangs im Hinblick auf die mit der Verwendung der neuen Medien verbundenen Risiken besuchte am 26. Februar 2018 Kriminalhauptkommissar Peter Arz von der Polizei Aachen die Gesamtschule Aachen-Brand. Vor rund 160 im Pädagogischen Zentrum versammelten Kindern gelang es dem erfahrenen Polizeibeamten, die am Thema hoch interessierten Schülerinnen und Schüler aktiv einzubinden und ihnen lebensnahe Tipps für die Vorbeugung von Straftaten zu geben. Wer wird schon gerne Opfer von Diebstählen, Cybermobbing oder gar schweren Sexualdelikten, die im Zusammenhang mit der Verwendung etwa von sozialen Medien leider zu verzeichnen sind?

Eindringlich warnte der Cybermobbing-Experte etwa vor der Weitergabe von Telefonnummern an Dritte, Handydiebstählen und Beleidigungen – sogenannte „ehrverletzende Kundgaben“, wie es im Strafgesetzbuch heißt. Gerade durch den regelmäßigen Verweis auf die Gesetzgebung im Konzert mit lebensnahen Beispielen sollte das Unrechtsbewusstsein der noch nicht strafmündigen Kinder gestärkt werden.

Auch die Gründung sogenannter Hassgruppen in sozialen Netzwerken, die bestimmte Zielpersonen oder -gruppen aufs Korn nehmen und mit ehrverletzenden Lügen, rassistischen Pseudowahrheiten oder beleidigenden Äußerungen überziehen, wurde von Herrn Arz angesprochen. Schockiert mussten unsere Jüngsten zur Kenntnis nehmen, dass Hassgruppen bisweilen sogar eigene Webseiten kreieren, um ihre illegalen Hassbotschaften zu verbreiten.

Den thematischen Schwerpunkt bildete indessen das Cybermobbing. Im Gegensatz zum Mobbing im realen Leben, das nur dann stattfinden kann, wenn die betroffenen Personen tatsächlich aufeinandertreffen, besteht beim Cybermobbing die Gefahr, dass ein Konflikt oder eine Auseinandersetzung vollkommen außer Kontrolle gerät, da die Reaktionen des Gegenübers bei der indirekten Kommunikation über das Internet körpersprachlich nicht sichtbar werden. Die Tränen der Opfer bleiben im Verborgenen. Damit entfällt eine wichtige Deeskalationsinstanz, die bei direkter Interaktion oft für die Eindämmung von Konfliktlagen sorgt.

Darüber hinaus lernten die Kinder, dass digitale Medien zwar bequem in der Nutzung sind, aber auch reichlich Möglichkeiten liefern, um herabsetzende Fotos, Bildmontagen oder Äußerungen einfach und effizient zu vervielfältigen und ohne großen Aufwand nahezu ungebremst zu verbreiten. Immerhin haben die digitalen Medien den Vorteil, dass sich Straftaten oft leicht aufklären lassen, da die Täter – oft ohne sich darüber im Klaren zu sein – im Internet überprüfbare und nachweisbare Spuren hinterlassen. Das macht die Strafverfolgung leichter, wie am Beispiel von Gesprächsverläufen auf WhatsApp deutlich wurde, die sich nicht von einzelnen Usern wirksam löschen lassen. Daher sollte sich jeder Mediennutzer gut überlegen, was er oder sie in den sozialen Netzwerken postet.

Es blieb aber nicht bei Warnungen alleine. Mit viel Engagement versuchte der Aachener Polizeibeamte, den Kindern das Konzept der Zivilcourage näher zu bringen. Gerade das Wegschauen oder Ignorieren von Beleidigungen trägt oft zum Cybermobbing bei. Wer einschreitet und Fehlverhalten meldet, ist eben keine „Petze“, sondern ein mutiges Individuum, das zu einem friedlichen und einvernehmlichen Miteinander beiträgt. Nur wer im Konfliktfall seine Stimme erhebe und Widerspruch gegen Demütigungen jeglicher Couleur einlege, so Arz, könne einen wirksamen Beitrag dazu leisten, dass der Teufelskreis von sich ständig steigernden Beleidigungen und Herabsetzungen durchbrochen werden kann. Das gelte auch für die Opfer von Mobbingattacken, die sich ihren Eltern, Lehrern, Schulsozialarbeitern oder sonstigen Erwachsenen unbedingt anvertrauen sollten statt die Beleidigungen einfach nur zu schlucken. Bleibt zu hoffen, dass die Kinder die Warnungen und Hinweise der Aachener Polizei auch beherzigen und Cybermobbing zukünftig nicht zu Regel wird.

Von | 2018-03-14T06:31:20+00:00 3. March 2018|Kategorien: Aktuelles|