Hohe Wahlbeteiligung und klares Bekenntnis zur Demokratie bei der Juniorwahl 2017

///Hohe Wahlbeteiligung und klares Bekenntnis zur Demokratie bei der Juniorwahl 2017

Hohe Wahlbeteiligung und klares Bekenntnis zur Demokratie bei der Juniorwahl 2017

„Ich glaube, ich wähle die Tierschutzpartei! Und Du?“ – „Die Partei – die wollen zwei Samstage einführen.“ Dieses Statement war im Wahlraum in der Bibliothek der Gesamtschule Aachen-Brand bei der die Bundestagswahl begleitenden Juniorwahl öfter zu hören. Letztendlich spiegelt sich diese Aussage im Ergebnis der Wahl zwar so nicht wider. Aber ist sie Ausdruck politischer Unkenntnis und Ignoranz unter Jugendlichen? Sind Jugendliche besonders tierlieb? Was ist falsch daran, den Tieren unveräußerliche Grundrechte zuzugestehen, die nur in Situationen konkreter Notwehr berührt werden dürfen? Wahrscheinlicher aber ist, dass die Aussage auf der Basis der Orientierung im Rahmen des Online-Frage-und-Antwort-Tools „Wahl-O-Mat“ zustande gekommen ist. Eine ganzheitliche Partei, die sich zum Schutz von Mensch, Tier und Natur bekennt, ist sicherlich eine Orientierung, die auch so manchem Erwachsenen gut zu Gesicht stehen würde.

 

Politisches Speeddating

Naheliegend wäre aber auch, dass die 373 Schülerinnen und Schüler, die am 22. September 2017, also zwei Tage vor der offiziellen Bundestagswahl, in der Bibliothek ihre Stimme abgegeben haben, im Unterricht treffend vorbereitet worden sind und sich in der Befragung der Kandidaten zur Bundestagswahl ein differenziertes Bild von den Parteien und ihren Vertretern gemacht haben. In diesem Jahr konnten die Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge 10 – 13 den Kandidaten schon zum zweiten Mal beim politischen „Speeddating“ auf den Zahn fühlen. Nachdem im Frühjahr die Landtagswahlkandidaten den Schülern Frage und Antwort gestanden hatten, stellten sich jetzt die Kandidaten zur Bundestagswahl den Schülerinnen und Schülern. Und diese Kandidaten waren mit Ulla Schmidt (SPD, MdB), Rudolf Henke (CDU, MdB), Andrej Hunko (Linke, MdB), Katrin Feldmann (Grüne/90), Cliff Gatzweiler (FDP) und Markus Mohr (AfD) einige durchaus prominent.

Wenn die Aachener Zeitung titelt und fragt: „Hunderttausende Schüler gehen zur Wahl – Was bringt das?“, dann beantwortet der Titel unserer Veranstaltung „Schüler begegnen Kandidaten“ die Frage nach dem Sinn. Denn wer von uns als Wählern hat schon die Gelegenheit gehabt, seinen Kandidaten intensiv zu den aktuellen Fragen der Integrationspolitik, Energie- und Umweltpolitik, der Verflechtung von Wirtschaft und Politik oder der Verbesserung der Bildung zu befragen? Und genau das gab das Format her. Denn während sich die Kandidaten in den üblichen Podiumsdiskussionen oft im politischen Gezänk versuchen zu profilieren, konnten sie in der Konfrontation mit den Schülern nicht ausweichen.

Geschichtsbilder auf dem Prüfstand

So entlarvte sich der AfD-Kandidat Mohr schnell selbst als stramm rechts und völkisch orientiert, als er sich dazu bekannte, auf die ganze deutsche Geschichte stolz zu sein, in der es zwar auch schlechtere Phasen gegeben habe. Aber dies gehöre eben dazu. Diese Aussagen wurden von der Schülerschaft insofern zur Kenntnis genommen, als dass die AfD mit 4,55 Prozent der Zweitstimmen deutlich unter dem Ergebnis der Bundestagswahl blieb. Dann schon lieber die Tierschutzpartei.

Offensichtlich gelang es aber auch den etablierten Politprofis von SPD und CDU, die Schüler für sich zu gewinnen, wie das Erststimmenergebnis dokumentiert.

Im Wahlraum war die Stimmung positiv angespannt. Die Wahlhelfer kontrollierten die Wahlbenachrichtigungen professionell und routiniert. Und die Wähler stimmten nach gründlicher Meinungsbildung im Onlineverfahren konzentriert ab. So ist ein differenziertes Wahlergebnis zustande gekommen, das deutlich macht, dass sich die Schüler mit den aktuellen Fragen bewusst auseinandersetzen. Die tendenzielle niedrige Wahlbeteiligung in der Gruppe der unter 25-Jährigen (ca. 60 Prozent) wurde deutlich überschritten und das Bekenntnis zu den demokratischen Parteien ist eindeutig. Genau das bringt die Teilnahme an der Juniorwahl.

Deshalb gilt der Dank auch noch einmal den Kollegen und Kolleginnen, die sich die Zeit genommen haben die Schülerinnen und Schüler vorzubereiten. Die Kandidaten waren von den Gesprächen jedenfalls positiv angetan und haben versprochen wiederzukommen – und zwar nicht erst in vier Jahren.

Michael Propers

Anmerkung des Autors: Um die Lesbarkeit des Textes zu erhöhen, wird teils auf die zusätzliche Formulierung der weiblichen Formen verzichtet. Wir möchten darauf hinweisen, dass die ausschließliche Verwendung der männlichen Form explizit als geschlechtsunabhängig verstanden werden soll.

Ergebnisse der Juniorwahl 2017 an der Gesamtschule Aachen-Brand

Anzahl der Wahlberechtigten 433
Anzahl der abgegebenen Stimmen 373
Wahlbeteiligung 86,14%

Erststimmenverteilung
Schmidt, Ursula 133
Henke, Rudolf 102
Feldmann, Katrin 53
Hunko, Andrej 19
Dr. Gatzweiler, Cliff 17
Mohr, Markus 15
Achilles, Matthias 10
Riedemann, Nico 8
ungültig 16

Zweitstimmenverteilung
SPD 98
CDU 92
GRÜNE 59
FDP 31
DIE LINKE 22
AfD 17
Die PARTEI 13
Tierschutzpartei 9
PIRATEN 6
ÖDP 3
MLPD 3
ADD 3
V-Partei³ 2
Die Humanisten 2
NPD 2
SGP 1
ungültig 10

Von | 2017-11-26T13:08:07+00:00 26. November 2017|Kategorien: Aktuelles|